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Sie dienen als Wandschmuck, zieren in vielfältiger Ausführung Bücher und Artikel, oder prangen plakativ auf unzähligen Aufklebern. Einmal in perfekter Ausführung von Künstlerhand, dann abkopiert von irgendwelchen Vorlagen und letztendlich verstümmelt bis zur Unkenntlichkeit als echte „Amateurarbeit“.
Die Rede ist hier von den vielen japanischen Kalligraphien die unseren Alltag verschönern. Dargestellt auf vielen Kleidungsstücken und als Designs verwendet, meist als reines Phantasieprodukt ohne Inhalt und zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken. Aber gerade der Bedeutungslosigkeit sollte man die Kalligraphie, die japanische Kunst zu schreiben, nicht überlassen, denn jeder Pinselstrich, jede Form und jede Zeichenkombination hat ihre besondere Bedeutung.
Es waren gerade die von uns so oft zitierten Samuraikrieger, die sich neben dem Soldatenhandwerk auch der Kunst des Schreibens widmeten. Bereits ab der frühen Kindheit mussten die Fertigkeiten im Umgang mit Schwert und Schreibpinsel geübt und in jahrelanger Praxis verfeinert werden.
Selbst heute , im modernen Japan, nimmt die Kunst der Kalligraphie einen hohen Stellenwert ein und wird an speziellen Schulen von Meistern unterrichtet.
Wie in der Kampfkunst werden hier die Schülerinnen und Schüler in Kyu und Dangrade unterschieden. Ein solches Studium der Schreibkunst beginnt in der Regel im Kindesalter, mit sechs oder sieben, endet nach etwa zehn Jahren mit dem Erreichen des ersten Dan und wird über die Stufen der höheren Dan Grade fortgesetzt.
Die in Deutschland lebende Künstlerin Midori Makino (Iwamoto) hat in ihrer Kindheit ein solches Studium begonnen und bis heute weitergeführt. Sie blickt somit auf eine über vierzig Jahre dauernde Praxis in der Kunst des Schreibens zurück. Ihre Kalligraphien finden sich in vielen Publikationen und, als kunstvoll gerahmte Bilder, in manchem Chefbüro.
Frau Makino (Iwamoto) entstammt einer alten Samuraifamilie, deren männliche Sprosse als Hatamoto und Karo in den oberen Ämtern der Togugawa Verwaltung zu finden waren, oder als Schwert-, Kyudo- und Hojitsu-Meister ihren Dienst versahen.
Auch die Frauen dieser Familie fristeten mit Sicherheit kein Schattendasein, sondern zeichneten sich als Meisterinnen vieler Budodisziplinen , wie Naginata und Kyudo aus.
Nicht nur die Künste des Budo hatten in der Ahnenreihe der Familie Makino ihren festen Platz. Eine namhafte Reihe bekannter Maler hat in den letzten Jahrhunderten ihre Spur hinterlassen, von denen wohl der Bekannteste der im 19. Jahrhundert lebende Impressionist Yoshio Makino(Yoshio Markino), war. Dieser Zeitgenosse Claude Monets wird heute noch durch Austellungen seiner Werke in England, USA und Japan geehrt.
Ihre künstlerische Tätigkeit beschränkt sich nicht nur auf das Schreiben von hochwertigen Kalligraphien. Als studierte Designerin ist sie in ihrer täglichen Arbeit ebenso vertraut mit dem Anfertigen von Gebrauchsgrafik, dem Gestalten von Illustrationen wie auch dem Zeichnen von japanischen Comicfiguren.
Eine besondere Spezialität sind ihre handgefertigten Künstlerpuppen und Marionetten, die in einer einzigartigen Arbeitstechnik hergestellt werden und teilweise Figuren der japanischen Mythologie darstellen. Jedoch sind in einem Land, in dem Puppen nur als Spielzeug gelten, ihre wertvollen Figuren nur einem kleinen Kreis von Liebhabern zugänglich und in Kunstausstellungen zu sehen.
Jedoch zeigt sich bei den Kalligraphien ein völlig anderes Bild. Die vielen Anfragen und Wünsche nach Übersetzung und Übertragung alter Gedichte oder dem Schreiben der typischen Budo Schriftzeichen beweisen ein ständig wachsendes Interesse an künstlerisch ausgeführten japanischen Schriften.
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